Entstehung und Geschichte der Dachtraufschwaben

 

Entstanden sind die Dachtraufschwaben aus einer Gruppe von aktiven Fußballspielern des SC- Schielberg, welche den SCS in den zurückliegenden Jahren am Schielberger Fastnachtsumzug durch wechselnde Beiträge, wie die SC-Teufel oder die SC-Rentner vertraten. Da es mit den Jahren jedoch immer schwieriger wurde, geeignete Beiträge und Mitwirkende zu finden, wurde die Idee einer beständigen Gruppe mit Holzmasken geboren. Wie jedoch sollte die neue Narrenfigur aussehen? Im Winter 1998 trafen sich Ralf Becht, Michael Becker, Jochen Weber und Bernd Wohlbold um eine geeignete Narrenfigur zu erfinden. Es sollte etwas mit historischem Hintergrund sein, aus dem sich auch bei den Umzügen genug herausholen lies. In die engere Auswahl kamen ein Waldfrevel, der im 18. Jahrhundert durch Holzdiebstähle im Schielberger Wald auf sich aufmerksam machte und der Dachtraufschwabe, die Bezeichnung für Schielberger Bürger. Die Bezeichnung rührt aus der geographischen Lage des Ortes. Das badische Dorf Schielberg liegt unterhalb der bergigen Erhebungen der württembergischen Gemeinden Rotensol und Neusatz. Praktisch an der Dachtraufe (Dachkanal) zu Schwaben. Zudem feierte man in Schielberg seit 1953 die „Dachtraufschwäbische Faset“ – jedoch ohne Dachtraufschwaben. Also entschied man sich spontan für den Dachtraufschwaben. Der Dachtraufschwabe war geboren doch wie sieht er nun aus?
Die Maske:
Aus Fastnachtsbüchern der schwäbisch alemannischen Fastnacht wurde eine Mischung aus zwei Masken als Vorlage ausgewählt. Die Maske sollte eine freundliche, verschmitzte Person darstellen.
Die Kleidung:
Da der Dachtraufschwabe badisch ist, beschloss man Jacke, Hemd, Hose und Schuhe nach Vorbildern aus der Badischen Revolution anzufertigen.
Die Kopfbedeckung:
Aus der Kopfbedeckung sollte hervorgehen, dass man an der Dachtraufe zu Schwaben lebt. Als Kopfbedeckung nach dem Umzug wählte man Heckerhüte aus der Zeit der Badischen Revolution.

Die Zusammenstellung der Gruppe

Um sich einen genauen Überblick verschaffen zu können, welche Personen nun wirklich mitmachen, wurde ein Schriftstück mit den Schätzkosten der Ausrüstung und einer bindenden Unterschrift verfasst und an die in Frage kommenden Personen verteilt. Die erste Formation setzte sich aus folgenden Personen zusammen:

Erwachsene:
Axtmann, Rüdiger Rastetter, Dietmar
Becht, Beate Reichert, Christa
Becht, Erik Schröder, Ferdinand
Becht, Ralf Weber, Anja
Becker, Michael Weber, Katja
Becker, Ute Weber, Jochen
Eckert, Pina Wohlbold, Bernd
Maucher, Marco Wohlbold Sigrid
Kinder:
Eckert, Angelo Wohlbold, Aaron
Reichert, Norman

Die Maske

Zufällig wurde man durch einen Zeitungsbericht auf den Holzschnitzer Ludwig Merkel in Gernsbach-Scheuern aufmerksam. Er hatte schon für mehrere Murgtäler Fastnachtsgruppen Holzmasken geschnitzt und bemalt. Mit Herrn Merkel wurde Kontakt aufgenommen. Nach den ausgewählten Bildern aus den Fastnachtsbüchern und eigenen Vorstellungen wurde ein Knetmodell angefertigt. Ohne jegliche Beanstandungen am Knetmodell wurden 18 Masken aus Lindenholz in Auftrag gegeben.

Die Kleidung

Die Bekleidung der gesamten Gruppe wurde unter Anleitung von Ute Becker, der tatkräftigen Unterstützung von Angelika Wiedemann und den Frauen der Gruppe in Eigenarbeit gefertigt. Das Unterfangen Kleidung stellte sich als wahre Herausforderung dar. Für die 17 Erwachsenen und drei Kinder galt es bis zum ersten großen Auftritt am „Schmutzigen Donnerstag“ ein Kostüm anzufertigen. Relativ schnell war man sich über die Farbstellung der Kleidung einig. Angelehnt an die Badische Revolution kamen nur die Farben gelb, rot und schwarz in Frage. Die Stoffauswahl musste nach bestimmten Kriterien erfolgen – waschbare Hose, relativ unempfindliche Jacke und letztendlich wichtigster Punkt – ein schönes Gesamtbild. Für die Hosen wurde gelber Baumwollgabardine, für die Hemden weißes Leinen und für die Jacken schwarzblauer Loden ausgewählt. Um die Farbe Rot ins Spiel zu bringen, entschloss man sich die Schärpen, die Verzierungen auf der Jacke und die Kopf-Verhüllung unter der Maske in rot (Baumwolle) zu halten. Bei der ersten Lagebesprechung ließen sich die, fast allesamt ungeübten, Schneiderinnen von Ute Beckers Optimismus überzeugen. Trotz anfänglicher Schwierigkeiten wie das Übertragen der Schnitte auf Papier, heften und zusammennähen der ersten Stoffteile, herrschte bald ein emsiges Treiben bei den Nähstunden. Ursprünglich sollten für das erste Jahr nur Hosen und Hemden gefertigt werden. Jacken sollten aus Zeitmangel erst im nächsten Jahr hinzukommen. Da jedoch gewisse Leute (gell Pina) unbedingt Jacken wollten, musste eine Lösung gefunden werden. In Angelika Wiedemann hatten wir diese Lösung gefunden. Sie erklärte sich spontan bereit uns beim Nähen zu unterstützen. Außerdem stellte sie einen großen Raum zur Verfügung, in dem wir uns über die Dauer der Nähaktion ausbreiten konnten. Jetzt ging es richtig zur Sache – die Zeit wurde knapp. Es galt zusätzlich noch Jacken für 20 Personen anzufertigen. Neben den Wochenenden, die fast gänzlich dem Nähen zum Opfer fielen, wurde fast jeden Abend bis mindestens 11.00 Uhr regelrecht im Akkord gearbeitet. Es wurde gemessen, zugeschnitten, anprobiert, geändert, genäht… bis auch die letzte Jacke passte. Mit letzter Anstrengung hatten wir es dann doch geschafft und konnten uns pünktlich zu unserem 1. Auftritt am „Schmutzigen Donnerstag“ als „Dachtraufschwaben“ präsentieren.

Der Hut

Es wurde schnell beschlossen, dass die Kopfbedeckung der Dachtraufschwaben, die von den Männern der Gruppe in Eigenarbeit über den Winter 1999/2000 angefertigt wurde, ein Dach mit Dachtraufe sein sollte. Die Ausführung stellte sich jedoch wesentlich schwieriger dar. Man entschied sich nach mehreren Versuchen für einen Hut aus dünnem Aluminiumblech in der Form eines Daches. Um den Hut auch tragen zu können wurde der Inneneinsatz von Bauhelmen montiert. Maske und Hut wurden mittels Klettband verbunden. Das Dach der Hüte wurde einheitlich mit rotem Moosgummi beklebt. Seitenwände, Rückteil und Perückenteil wurden individuell von jedem Einzelnen selbst gestaltet.

Die Schuhe

Im Feuerwehrbedarfshandel wurden Schaftstiefel gekauft.

Dachtraufschwaben machen zum ersten Mal auf sich aufmerksam!

Am Samstag, 26.02.2000 wurden am Ortseingang Schielberg (Rotensoler Str.) die ersten Gruppenbilder in Farbe und schwarz-weiß aufgenommen und mit einem Textbeitrag im Marxzeller Gemeindeblatt veröffentlicht.

Fastnacht 2000

Am schmutzigen Donnerstag, 02.03.2000 mischten sich die Dachtraufschwaben unter die Zuschauer bei der Faseteröffnung am Schielberger Rathaus. Winfried Girrbach, der Präsident der Narrenzunft (NZ 53),  stellte die Dachtraufschwaben den staunenden Zuschauern vor. Michael Becker hält die erste Fastnachtsrede der Dachtraufschwaben auf der Rathaustreppe. Der Schlachtruf: Dachtrauf – Schwob, Dachtrauf – Schwob, Dachtrauf – Schwob, Auf da – Höh ist geboren.

Der 1. Fastnachtsumzug

Die Gruppe traf sich am Fastnachtssonntag, 05.03.2000 zu einem gemeinsamen Vesper bei Beate und Ralf Becht um anschließend das erste Mal beim Schielberger Umzug mitzumachen. Als Umzugsutensilien wurden Tannenbäume (Narrenbäume), kleine Ratschen und Saublasen mitgenommen. Des Weiteren wurde Gutscheine „um einmal gratis in den Wald zu Scheißen“ verteilt.

Fastnachtsverbrennung

Die Dachtraufschwaben waren am Fastnachtsdienstag beim kleinen Umzug durch Schielberg und der anschließenden „Fasetverbrennung“ dabei.

Fazit nach der ersten Kampagne!

Die vielen Mühen wurden belohnt. In Schielberg hörte man nur Positives über die neue Gruppe. Und wohl mancher Narr ärgerte sich, dass er nicht selbst auf diese einfache und tolle Idee gekommen ist, der Dachtraufschwäbischen Faset einen Dachtraufschwaben zu schenken. Bis zur nächsten Kampagne sollen Verbesserungen an den Hutkanten, Jacken und Hosen durchgeführt werden. Des Weiteren will man die Umzugsutensilien ergänzen. Und somit liefen die Vorbereitungen für die nächste Kampagne, in der noch einige Erweiterungen und Verbesserungen geplant waren.